Bäckerjungensage




Dies geschah zu einer Zeit, als der Erzbischof von Köln das Recht zur Erhebung des Rheinzolls, die wichtigste Einnahmequelle der Städte am Rhein, von Linz nach Andernach zurückverlegt hatte. Auch damals schon hatten die Andernacher den Spitznamen "Siebenschläfer", da sie gerne ausgiebig feierten und anschließend bis in den späten Morgen ausschliefen - was sie heute noch gerne tun. Das wussten auch die Linzer, die über den Verlust des Rheinzolles verständlicherweise sehr verärgert waren und auf Rache sannen. Und so fuhren die Linzer Krieger eines Abends, als die Andernacher wieder eines ihrer berühmten Feste feierten, mit ihren Booten rheinaufwärts, bewaffnet mit Feuer und  Schwert. Mitten in der Nacht legten die kriegerischen Linzer im Schutz der Dunkelheit am Andernacher Rheinufer an, um beim ersten Morgenlicht die Stadt zu stürmen.

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Während die Andernacher nach ihrer Feier so tief wie die Siebenschläfer schliefen, waren die beiden Bäckerjungen Fränzje und Döres bereits auf den Beinen, um Brötchen auszutragen. Als das alles erledigt war, schauten sie nachdenklich von der Stadtmauer aus in Richtung  Rhein, von wo aus der Morgennebel in die Stadt zog. "Fränzje, was war das?", fragt Döres aufgeregt, " das klingt, als wenn Eisen auf Steine stößt, und hörst Du auch die Stimmen?" " Ja, Döres, aber was ist da nur auf einmal los?"  Schon nach kurzer Zeit konnten die Bäckerjungen Männer erkennen, die mit Schwertern, langen Stangen, Hellebarden und Rammböcken gegen die Stadtbefestigung vorrückten. Schritte von festen Stiefeln und Kommandofetzen wie "Rammbock nach vorne", zieht die Schwerter", "oder fertig machen zum Angriff"  waren zu hören. "Andernach wird überfallen". "Wenn wir doch nur was auf die werfen könnten....", meinte Fränzje. "Da, schnell die Bienen", rief Döres. Und schon flogen die ersten Bienenkörbe auf die vorderen Männer mit dem Rammbock. Als einige Bienenkörbe aufgeplatzt waren, stürzten sich die ansonsten friedlichen Tierchen, nun aber in ihrer Nachtruhe gestört, wütend und wild um sich stechend auf die Linzer. Die meisten Linzer warfen ihre Waffen weg, um mindest ihr Gesicht vor den immer wütender werdenden Bienenschwärmen zu schützen. Völlig außer sich liefen die Linzer zum Rheinufer, um Schutz in ihren Booten zu finden, oder sich einfach ins kalte Wasser des Rheins zu stürzen, nur um die Qualen los zu sein. Als die beiden Bäckerjungen das sahen, sprangen sie von der Stadtmauer  um oben am Rathaus die Sturmglocke zu läuten. Die Andernacher rannten mit Geschrei aus ihren Häusern, um mit Waffen alle Tore und Mauern zu besetzen, so wie der Rat es verordnet hatte. Doch dieser Einsatz war fast überflüssig, denn die Linzer hatten die Nase voll und flüchteten vor den Bienen und den Andernachern in ihren Booten rheinabwärts. Nach dieser Erfahrung hatten die Linzer auch später keine Lust mehr die Andernacher noch einmal anzugreifen und überließen ihnen von da an den Rheinzoll. Fränzje und Döres die beiden "Schutzengel" von Andernach - bekamen zum Dank ein Denkmal gesetzt und seit dieser Zeit wird Andernach zu ihren Ehren auch Bäckerjungenstadt genannt. Wer die Bäckerjungen mal live erleben will, wird im Rahmen eines "Bäckerjungenempfangs" von Fränzje und Döres begrüßt, bekommt einen "Bäckerjungenorden" verliehen und lernt im Anschluß die Stadt in Begleitung eines Stadtführers kennen.

(gekürzte Fassung)